Pflegegrad 3: Leistungen, Voraussetzungen und Geld im Überblick

Was sich ändert, wenn der Bedarf spürbar größer wird, und was Ihnen jetzt zusteht.

Askin N.(Pflegehilfs- und Betreuungskraft)
Askin N.

Fachliche Prüfung · Pflegehilfs- und Betreuungskraft

Muss jetzt doch das Heim in Frage kommen?

Ja, der Bedarf ist spürbar größer als bei Pflegegrad 2, und die Sorge, dass es jetzt doch auf ein Heim hinausläuft, wird für den einen oder anderen sehr real. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts leben aber noch rund 82 Prozent der Menschen weiterhin zu Hause und nur etwa 18 Prozent im Pflegeheim.

Und selbst dort ist die Sorge oft größer als das, was tatsächlich kommt. Manche finden im Heim Gesellschaft, die zu Hause zuletzt gefehlt hat, ein gemeinsames Frühstück statt allein am Tisch, ein Nachmittag beim Malen oder Basteln mit anderen, ein paar Menschen, mit denen man sich einfach gut versteht. Die Angst vor dem Heim ist oft größer als das, was am Ende wirklich passiert.

Und dann ist da noch eine zweite Sorge, die genauso schwer wiegt …
Gerade wenn es doch noch in den eigenen vier Wänden geht, kommen jetzt aber öfter fremde Menschen in die Wohnung, weil eben der Bedarf gestiegen ist. Diese Verunsicherung kennt man aber schon von Pflegegrad 2: Bei einem guten Pflegedienst kommen nicht immer wieder andere Gesichter, sondern feste Bezugspersonen, die man mit der Zeit kennt und denen man vertraut.

Pflegegrad 3 heißt also nicht automatisch das Ende der eigenen Wohnung. Es heißt, dass der Unterstützungsbedarf gestiegen ist, und dass es dafür deutlich mehr Hilfe gibt als bei Pflegegrad 2.

Das Wichtigste in Kürze

Pflegegrad 3 auf einen Blick

Was bedeutet Pflegegrad 3 genau?

Pflegegrad 3 bedeutet eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, wobei hier meist in mehreren Lebensbereichen gleichzeitig Unterstützung gebraucht wird. Wer zwischen 47,5 und unter 70 Punkten erreicht, bekommt Pflegegrad 3 und auch hier unabhängig von einer bestimmten Diagnose.

Bei Pflegegrad 3 wird meistens in mehreren Lebensbereichen gleichzeitig Unterstützung gebraucht, wie etwa bei der Körperpflege, bei der Mobilität und oft auch bei der Orientierung im Alltag.

Zur besseren Einordnung: Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts haben rund 1,68 Millionen Menschen in Deutschland den Pflegegrad 3, das entspricht knapp 30 Prozent aller Pflegebedürftigen. Damit ist er der zweithäufigste Pflegegrad nach Pflegegrad 2.

Wichtig zu wissen: Pflegegrad 3 entsteht nicht automatisch aus einer bestimmten Diagnose. Eine Demenz, ein Schlaganfall oder eine Krebserkrankung führen nicht von selbst zu Pflegegrad 3, hier ist immer entscheidend, wie sich die Erkrankung tatsächlich auf den Alltag auswirkt.

Welche Leistungen stehen mir zu?

Bei Pflegegrad 3 stehen 599 € Pflegegeld oder bis zu 1.497 € Pflegesachleistungen im Monat zur Verfügung, dazu kommt der Entlastungsbetrag von 131 €. Und übernimmt ein Pflegedienst die Verhinderungspflege, steht auch noch der volle Jahresbetrag von 3.539 € zur Verfügung.

Bei Pflegegrad 3 haben Sie dieselbe Wahl wie bei Pflegegrad 2, nur mit deutlich höheren Beträgen, weil der Bedarf eben größer ist.

  • Pflegegeld gibt es, wenn die Pflege von der Familie übernommen wird. Die 599 € im Monat werden dann an die pflegebedürftige Person ausgezahlt, die das Geld dann weitergeben kann.
  • Pflegesachleistungen sind für einen Pflegedienst gedacht. Hier stehen bis zu 1.497 € im Monat zur Verfügung, die immer direkt mit dem Pflegedienst verrechnet werden.

Wenn Sie als Angehörige oder Angehöriger einmal eine Auszeit brauchen, springt außerdem die Verhinderungspflege ein. Übernimmt ein Pflegedienst wie simCura diese Auszeit, steht dafür der volle Jahresbetrag von 3.539 € zur Verfügung. Wird die Ersatzpflege nicht erwerbsmäßig übernommen, also unentgeltlich durch Angehörige oder Nachbarn, ist der Betrag niedriger, gedeckelt auf das Doppelte des Pflegegeldes, also rund 1.198 € bei Pflegegrad 3. Übernimmt dagegen ein Pflegedienst wie simCura die Auszeit, gilt in jedem Fall der volle Betrag von 3.539 €, weil es sich um eine erwerbsmäßige Leistung handelt.

Wichtig zu wissen: Beträgt die Auszeit weniger als acht Stunden am Tag, wird das Pflegegeld nicht gekürzt, und die Zeit wird nicht auf die acht Wochen im Jahr angerechnet.

Alle hier genannten Beträge sind in der Übersicht der Leistungsbeträge des Bundesministeriums für Gesundheit aufgeführt.

Wie wird Pflegegrad 3 festgestellt?

Ein Gutachter oder eine Gutachterin vom Medizinischen Dienst (MDK) kommt direkt zu Ihnen nach Hause und bewertet sechs Lebensbereiche, dabei zählt die Selbstversorgung am stärksten mit 40 Prozent. Bei Pflegegrad 3 ist oft bereits ein niedrigerer Pflegegrad vorausgegangen, und vielen der Ablauf nicht ganz unbekannt.

Dabei geht es nicht um Diagnosen, sondern darum, was im Alltag noch selbstständig geht und wo dringend Hilfe gebraucht wird. Die gesetzliche Grundlage dafür bildet § 15 SGB XI.

Bewertet werden sechs Bereiche, jeder mit eigener Gewichtung:

  1. Selbstversorgung, wie Waschen, Anziehen, Essen und Trinken. Zählt mit 40 Prozent.
  2. Umgang mit Erkrankungen und Behandlungen, wie Medikamente einnehmen oder mit Therapien umgehen. Zählt mit 20 Prozent.
  3. Mobilität, wie sich im Bett bewegen oder noch die Treppen steigen. Zählt mit 10 Prozent.
  4. Geistige und kommunikative Fähigkeiten, wie sich orientieren oder auch Gespräche führen.
  5. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, wie nächtliche Unruhe oder Ängste. Bei diesen beiden Punkten zählt nur der höhere der beiden Werte, zusammen ergeben sie 15 Prozent.
  6. Gestaltung des Alltags und soziale Kontakte, wie den Tag selbst einteilen. Zählt mit 15 Prozent.

Die genaue Gewichtung der einzelnen Module ist in Anlage 2 zu § 15 SGB XI festgelegt.

Viele Familien fühlen sich vor diesem Termin sehr unsicher, weil sie nicht wissen, was gefragt wird und auch die Situation oft schwer ist. simCura begleitet Sie gerne dabei, sich vorzubereiten, damit Sie beim Termin nichts vergessen, was für die spätere Einstufung wichtig ist.

Unser Tipp

Wenn sich der Zustand seit der letzten Begutachtung verändert hat, notieren Sie konkrete Alltagsbeispiele, bevor der Termin stattfindet, denn meistens bleibt eine Unsicherheit oder auch Nervosität. Aber denken sie daran, nicht die Diagnose zählt, sondern was im Alltag tatsächlich nicht mehr allein geht.

Reicht der Pflegedienst, wenn es zu Hause allein nicht mehr geht?

Ja, ein Pflegedienst übernimmt genau das, was gerade wirklich gebraucht wird, sei es beim Aufstehen und der Hygiene, bei Medikamenten oder im Haushalt. Alles andere bleibt, wie es ist, die Familie muss nicht alles abgeben, sondern nur das, was einfach zu viel wird.

Bei Pflegegrad 3 merken viele Familien, dass die bisherige Unterstützung nicht mehr ausreicht. Das ist keine Schwäche, sondern eine ganz normale Entwicklung, wenn der Bedarf mit der Zeit wächst.

Genau hier kann ein ambulanter Pflegedienst helfen, ohne dass gleich alles anders wird. Statt nur einmal am Tag reicht oft auch mehrmals täglich Unterstützung, etwa beim Duschen, beim Anziehen fester Kleidung oder bei der Mobilisation aus dem Bett. Alles andere bleibt, wie es ist.

Bei simCura ist das Erstgespräch kostenlos und unverbindlich. Wir schauen uns gemeinsam mit Ihnen an, was wirklich gebraucht wird, und Sie entscheiden danach in aller Ruhe, was passt.

Häufige Fragen zu Pflegegrad 3

Bei Pflegegrad 3 ist der Unterstützungsbedarf höher, meist in mehreren Lebensbereichen gleichzeitig statt nur bei einzelnen Verrichtungen. Das zeigt sich auch bei den Leistungen, die bei Pflegegrad 3 höher ausfallen.

Mehr zu den Grundlagen in Pflegegrad 2: Leistungen, Voraussetzungen und Geld im Überblick.

Ja. Wenn sich der Zustand verschlechtert, kann jederzeit ein neuer Antrag auf einen höheren Pflegegrad gestellt werden, unabhängig davon, wann die letzte Begutachtung war.

Ja, mit Pflegegrad 3 stehen Ihnen Pflegesachleistungen von bis zu 1.497 € im Monat zu, mit denen ein ambulanter Pflegedienst direkt abgerechnet werden kann.

Mehr zu allen Pflegegraden in Pflegegrad, Pflegeleistungen und Kosten: der Überblick.

Nein. Auch bei Pflegegrad 3 lebt die Mehrheit der Menschen weiterhin zu Hause, wenn auch der Anteil im Heim höher ist als bei Pflegegrad 2.

Bei Pflegegrad 3 kommt eine Pflegekraft oft mehrmals täglich, je nachdem, was tatsächlich gebraucht wird. Die genaue Häufigkeit legen Sie gemeinsam mit dem Pflegedienst fest.

Fazit zu Pflegegrad 3

Pflegegrad 3 ist oft der Punkt, an dem sich für Familien vieles verändert. Die gute Nachricht bleibt: Es bedeutet nicht automatisch den Umzug in ein Heim, sondern nur, dass der Bedarf gestiegen ist und dafür nun deutlich mehr Hilfe zur Verfügung steht. Ob Sie gerade den Antrag stellen oder schon einen Bescheid haben, der nicht passt, hier führen Sie die passenden Artikel weiter.

Hinweis: Alle genannten Beträge basieren auf dem aktuellen Stand der Pflegeversicherung, siehe Quellenangaben.

Quellen und Stand

Stand dieses Artikels: [DATUM] · Nächste Prüfung: [DATUM, spätestens Anfang 2028]

Askin N.(Pflegehilfs- und Betreuungskraft)
Askin N.

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