Dekubitusprophylaxe: Druckgeschwüren vorbeugen

Was sich unter der Haut abspielt, bevor man es sieht, und was jetzt zu tun ist. 

Teil unseres Ratgebers: Pflegeleistungen im Detail

Askin N.(Pflegehilfs- und Betreuungskraft)
Askin N.

Fachliche Prüfung · Pflegehilfs- und Betreuungskraft

Reicht eine kleine Rötung schon aus, um sich Sorgen zu machen?

Ja, bei Menschen, die viel liegen oder sitzen und sich kaum bewegen können, ist eine Rötung, die nicht verschwindet, bereits ein ernstzunehmendes Signal. Nach dem Expertenstandard des DNQP lässt sich ein Dekubitus, das, was man auch unter Druckgeschwür oder Wundliegen kennt, in den meisten Fällen verhindern, wenn frühzeitig reagiert wird. 

Die Behandlung eines bereits entstandenen Dekubitus kostet in Deutschland dagegen jährlich über drei Milliarden Euro. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie ernst das Thema in der Fachwelt genommen wird, und wie viel Leid dahintersteckt, das sich oft hätte vermeiden lassen.

Die Stellen, um die es hier geht, sind fast immer verdeckt, unter Kleidung, unter der Bettdecke, an Körperstellen, die man nicht jeden Tag genau ansieht. Gerade beim Waschen oder Umziehen, einem Moment, der ohnehin sehr sensibel ist, schaut man oft schnell, statt genau hinzusehen.

Was besonders tückisch ist: Was man von außen sieht, ist oft nur die Spitze. Im Gewebe darunter kann bereits mehr passiert sein, als die Hautoberfläche zeigt. Genau in diesem frühen Moment kann eine erfahrene Pflegekraft den Unterschied machen, weil sie weiß, worauf sie achten muss, auch wenn eine Stelle noch harmlos aussieht.

Das Wichtigste in Kürze

Dekubitusprophylaxe auf einen Blick

Was sind die vier Kategorien eines Dekubitus?

Nach dem international anerkannten System von EPUAP und NPIAP wird ein Dekubitus je nachdem, wie tief die Schädigung reicht, in vier Kategorien eingeteilt. Bereits die erste Kategorie ist ein klares Warnsignal und keine Bagatelle.

Besonders gefährdet sind Körperstellen, an denen der Knochen nah unter der Haut liegt: wie das Steißbein, das Gesäß (der Po), die Fersen, die Hüfte und die Schulterblätter. Genau dort lohnt sich ein regelmäßiger und vor allem aufmerksamer Blick, besonders bei Menschen, die viel liegen oder sitzen. Auch wenn die Scham dabei oft eine Rolle spielt, auf beiden Seiten, ist dieser Blick wirklich wichtig und keine Grenzüberschreitung, sondern ein Ausdruck von Fürsorge.

Kategorie 1 zeigt sich als Hautrötung, die bei Fingerdruck nicht verschwindet (anders als eine normale Rötung, die kurz weiß wird und sich dann wieder füllt). Die Hautoberfläche selbst ist aber noch intakt, im Gewebe darunter kann aber bereits eine Schädigung begonnen haben, die von außen noch nicht zu sehen ist. Genau das macht jetzt schnelles Handeln wichtig, auch wenn die Stelle noch harmlos aussieht. Was jetzt zu tun ist

Kategorie 2 zeigt einen teilweisen Verlust der Haut, sichtbar als flache, offene Stelle oder als Blase (ähnlich einer Blase, wie man sie vom Reiben neuer Schuhe kennt, nur eben an einer Stelle, die eigentlich geschützt sein sollte). Spätestens jetzt sollte die Stelle fachlich beurteilt werden, etwa durch die Pflegefachkraft oder den Hausarzt. Mehr zu den nächsten Schritten 

Kategorie 3 bedeutet, dass die Haut in ihrer gesamten Dicke geschädigt ist, tiefer als bei Kategorie 2 (das darunterliegende Gewebe ist betroffen, aber Knochen, Sehnen oder Muskeln sind noch nicht erreicht). Hier ist ärztliche Versorgung dringend notwendig, die Wunde heilt nicht mehr von selbst zu. Wie jetzt reagiert werden sollte

Kategorie 4 ist die schwerste Form (eine tiefe Schädigung, bei der Knochen, Sehnen oder Muskeln sichtbar oder tastbar sind). Auch hier ist sofortige ärztliche und pflegerische Versorgung absolut notwendig, und zwar ohne Verzögerung. Was in diesem Fall wichtig ist 

Was hilft sofort, wenn eine Rötung entdeckt wird?

Die wichtigste Sofortmaßnahme ist, die betroffene Stelle sofort zu entlasten, also nicht weiter darauf zu liegen oder zu sitzen. Nach dem Expertenstandard gehört dazu ein regelmäßiges Umlagern und wenn möglich auch Bewegung, damit derselbe Punkt nicht dauerhaft weiter belastet bleibt.

Zusätzlich helfen spezielle Auflagesysteme oder Matratzen, den Druck auf eine größere Fläche mehr zu verteilen, statt ihn auf einen einzelnen Punkt wie bisher zu konzentrieren. Wird jetzt konsequent umgelagert und entlastet, lässt sich die Entwicklung in den meisten Fällen noch stoppen. Diese Mühe ist es wirklich wert, denn sie vermeidet Schmerzen, lange Heilungszeiten und oft auch einen Krankenhausaufenthalt, der sich hätte vermeiden lassen.

Ist die Rötung bereits zu einer offenen Stelle geworden, reicht Umlagern allein nicht mehr aus. Ab Kategorie 2 übernimmt eine Pflegefachkraft die Wundversorgung nach ärztlicher Anordnung, meist mit speziellen Wundauflagen, die feucht halten und die Heilung fördern. Bei tieferen Wunden ab Kategorie 3 kann zusätzlich eine kleinere Operation nötig werden, um abgestorbenes Gewebe zu entfernen. Der behandelnde Arzt trägt dabei die Verantwortung, die Maßnahmen anzupassen, wenn sich die Wunde verschlechtert.

Unser Tipp

Sehen Sie sich die gefährdeten Stellen am besten bei jedem Wechsel der Kleidung genau an. Eine Rötung, die nach dem Umlagern nicht innerhalb kurzer Zeit verschwindet, sollte ernst genommen werden.

Wie beugt man einem Dekubitus dauerhaft vor?

Die dauerhafte Vorbeugung bedeutet wahrlich mehr als ein einmaliges Handeln. Der Expertenstandard nennt dafür mehrere zentrale Bausteine, wie die regelmäßige Bewegungsförderung, also so viel Eigenbewegung wie noch möglich, systematische Risikoeinschätzung, um gefährdete Personen frühzeitig zu erkennen, sowie die kontinuierliche Beobachtung der Haut.

simCura führt bei gefährdeten Personen eine systematische Risikoeinschätzung durch und setzt geeignete Hilfsmittel zur Druckentlastung ein, jeweils abgestimmt auf die individuelle Situation.

Wichtig dabei ist, dass Vorbeugung keine einmalige Maßnahme ist, sondern ein fortlaufender Prozess. Was heute passt, kann morgen schon angepasst werden müssen, etwa, wenn sich die Beweglichkeit einer Person verändert oder neue Risikofaktoren dazukommen.

Wer trägt die Verantwortung für die Vorbeugung?

Nach dem Expertenstandard liegt die fachliche Verantwortung bei der Pflegefachkraft, die aktuelles Wissen über Entstehung und Vorbeugung eigenständig anwenden muss. Angehörige, die zu Hause pflegen, sind hier aber ein wichtiger Teil davon, weil sie die Person ja am häufigsten sehen und Veränderungen oft zuerst bemerken.

Diese Aufgabe zu teilen entlastet beide Seiten: Die Pflegefachkraft bringt das Fachwissen ein und die Angehörigen die alltägliche Aufmerksamkeit.

In der Praxis bedeutet das: Wer zu Hause pflegt, muss kein Fachwissen wie eine ausgebildete Kraft haben, aber auf jeden Fall ein geschultes Auge für Veränderungen entwickeln. Genau hier kann eine enge Absprache mit dem Pflegedienst helfen, damit beide Seiten wissen, worauf sie jeweils achten sollen.

Häufige Fragen zur Dekubitusprophylaxe

Am zuverlässigsten an einer Hautrötung, die auch nach Druck mit dem Finger nicht verschwindet und nicht innerhalb kurzer Zeit nach dem Umlagern abklingt.

Sofortige Entlastung durch Umlagern und, wenn möglich, spezielle Auflagesysteme, die den Druck verteilen.

In Kategorie 1 ja, wenn konsequent entlastet wird. Ab Kategorie 2 ist bereits Gewebe verloren gegangen, das nicht einfach zurückkehrt, dort ist ärztliche Wundversorgung nötig. Mehr zu den Kategorien in Pflegeleistungen im Detail.

Menschen, die sich kaum oder gar nicht selbst bewegen können, etwa nach einem Schlaganfall oder bei fortgeschrittener Bettlägerigkeit. Bei einem sehr hohen Pflegebedarf kann auch eine 24-Stunden-Pflege sinnvoll sein.

Ja, simCura führt Risikoeinschätzungen durch und setzt geeignete Maßnahmen zur Druckentlastung ein, abgestimmt auf die individuelle Situation.

Fazit zu Dekubitusprophylaxe

Eine kleine Rötung ist selten harmlos, sie ist der früheste Moment, in dem Handeln noch am meisten bewirkt. Wer regelmäßig hinsieht und sofort entlastet, kann einem Dekubitus in den meisten Fällen vorbeugen, bevor daraus eine Wunde wird, die schmerzt und lange braucht, um zu heilen.

Hinweis: Alle genannten Angaben basieren auf dem aktuellen Stand des Expertenstandards, siehe Quellenangaben.

Quellen und Stand

DNQP: Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege, 2. Aktualisierung 2017
EPUAP/NPIAP/PPPIA: Prevention and Treatment of Pressure Ulcers/Injuries: Quick Reference Guide, 2019

Stand dieses Artikels: [DATUM] · Nächste Prüfung: [DATUM, spätestens Anfang 2028]

Askin N.(Pflegehilfs- und Betreuungskraft)
Askin N.

Fachliche Prüfung · Pflegehilfs- und Betreuungskraft

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