Künstlicher Darmausgang: Leben mit Stoma

Was ein künstlicher Ausgang bedeutet, und wie der Alltag damit trotzdem normal bleiben kann.

Teil unseres Ratgebers: Pflegeleistungen im Detail

Askin N.(Pflegehilfs- und Betreuungskraft)
Askin N.

Fachliche Prüfung · Pflegehilfs- und Betreuungskraft

Was bedeutet ein künstlicher Darmausgang?

Ein künstlicher Darmausgang, medizinisch Stoma genannt, ist eine operativ geschaffene Öffnung, über die Stuhl oder Urin nach außen abgeleitet wird. Mit der richtigen Versorgung ist trotzdem ein weitgehend normales Leben gut möglich, auch wenn der erste Gedanke oft ein anderer ist. Ein Stoma entsteht meist nach einer Operation, häufig wegen Darmkrebs oder einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung.

Für viele fühlt es sich zunächst wie ein Einschnitt an, der Angst macht, und ist verbunden mit ganz konkreten Fragen.

Und die Sorgen, die dabei entstehen, sind fast immer dieselben: Was, wenn der Beutel undicht wird? Kann ich mich damit normal bewegen? Was, wenn man es riecht? Sieht man es? Kann man überhaupt noch unter Menschen gehen, essen gehen, verreisen? Dazu kommt ein ganz eigener, sehr intimer Moment, nämlich wenn die Versorgung gewechselt und die Haut darum herum gereinigt werden muss, und das an einem Bereich, der sonst niemanden etwas angeht. All das kann verunsichern, und manche ziehen sich deshalb eher zurück, statt sich Unterstützung zu holen. Dabei zeigt sich fast immer: Mit der Zeit und der richtigen Versorgung wird das Stoma zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags, der weniger Aufmerksamkeit braucht, als man zu Beginn denkt. Und genau bei diesen Ängsten hilft eine erfahrene Pflegekraft wie bei simCura am meisten, weil sie diese Sorgen aus Erfahrung kennt und weiß, wie man sie im Alltag praktisch auflöst.

Auch Sport und Bewegung sind mit einem Stoma möglich, unabhängig vom Alter, und immer in Rücksprache mit dem Arzt oder der Stomaberatung. Schwimmen, Spazierengehen und Radfahren gelten als unproblematisch und werden sogar empfohlen. Von Kontaktsportarten mit hartem Körpereinsatz wie Boxen oder Kampfsport wird dagegen eher abgeraten, weil sie den Druck im Bauchraum stark erhöhen und damit das Risiko einer Hernie steigern. Am besten spricht man vor einer neuen sportlichen Aktivität einmal mit dem Arzt oder der Stomaberatung und steigert die Belastung dann langsam.

Mit dem passenden Versorgungssystem lassen sich Undichtigkeiten und Geruch zuverlässig vermeiden, sodass die Sorge vor peinlichen Situationen im Alltag meist unbegründet bleibt.

Das Wichtigste in Kürze

Künstlicher Darmausgang auf einen Blick

Was bedeutet ein künstlicher Darmausgang, und welche Arten gibt es?

Ein künstlicher Darmausgang ist eine operativ geschaffene Öffnung, über die Stuhl oder Urin nach außen abgeleitet wird. Dabei verbindet das Ärzteteam den Darm oder die Harnwege operativ mit der Bauchoberfläche. Die häufigsten Formen sind das Kolostoma, ein Stoma am Dickdarm, und das Ileostoma, ein Stoma am Dünndarm. Beide gehören zur Gruppe der Enterostomata. Beim Urostoma wird stattdessen Urin abgeleitet.

Welche Form angelegt wird, entscheidet die medizinische Situation, also welcher Abschnitt des Darms betroffen ist und ob das Stoma dauerhaft bleiben soll. Man unterscheidet außerdem zwischen endständigen Stomata, bei denen ein Darmende nach außen geführt wird, und doppelläufigen, bei denen eine Darmschlinge geöffnet wird. Letztere sind laut der Leitlinie der FgSKW häufig nur vorübergehend angelegt und können später wieder zurückverlegt werden.

Für den Alltag bedeutet das: Die Versorgung unterscheidet sich je nach Form, vor allem in der Beschaffenheit der Ausscheidungen und damit auch darin, wie oft der Beutel gewechselt oder entleert werden muss.

Was gehört zur täglichen Versorgung?

Zur täglichen Versorgung gehören der Wechsel des Beutels, das Entleeren und die Reinigung der Haut rund um das Stoma. Der Beutel ist an einer Hautschutzplatte befestigt, die um das Stoma herum angeklebt wird. Es gibt geschlossene Beutel, die komplett gewechselt werden, und Ausstreifbeutel, die sich mehrmals täglich entleeren lassen. Welches System passt, hängt von der Stoma-Art und den persönlichen Vorlieben ab.

Unser Tipp

Achten Sie besonders auf die Haut direkt um das Stoma. Bleibt sie gesund und intakt, hält auch die Basisplatte zuverlässig.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die häufigste Komplikation ist eine parastomale Hernie, ein Bauchwandbruch direkt neben dem Stoma. Laut der Fachgesellschaft FgSKW liegt das Risiko in den ersten fünf Jahren je nach Studie bei 20 bis 80 Prozent, wobei nicht jede Hernie überhaupt diagnostiziert wird. Nach Angaben von Springer Medizin braucht etwa jeder Dritte davon eine Operation. 

Dann treten auch häufig Hautreizungen rund um das Stoma auf, meist wenn Ausscheidungen mit der Haut in Kontakt kommen. Beides ist in vielen Fällen behandelbar, oft reicht einfach eine Anpassung des Versorgungssystems oder eine gezielte Hautpflege.

Aber keine Angst, sowohl einer Hernie als auch Hautreizungen lässt sich sogar aktiv vorbeugen. Durch gezieltes Training der Bauchmuskulatur, ein gesundes Körpergewicht und das Vermeiden von schwerem Heben. Das kann das Risiko einer Hernie nachweislich senken. Der Grund ist der Druck im Bauchraum: Alles, was ihn stark erhöht, belastet die geschwächte Bauchwand am Stoma. Deshalb sollten laut FgSKW auch chronischer Husten oder starkes Pressen bei Verstopfung beobachtet und bei Bedarf behandelt werden. Am besten bespricht man ein Training mit Arzt oder Stomaberatung, damit die Übungen wirklich passen.

Ein Stoma kann sich auch nach Jahren noch verändern, etwa durch Gewichtsveränderungen, Faltenbildung oder Narben. Laut der Leitlinie der Fachgesellschaft FgSKW gehört genau deshalb die regelmäßige Überprüfung der Versorgung dazu, denn was am Anfang gut gepasst hat, muss nicht dauerhaft die beste Lösung bleiben.

Wer darf die Versorgung übernehmen?

Die Versorgung erfordert spezielle Fachkenntnisse, weil eine unsachgemäße Anwendung zu Hautreizungen oder anderen Komplikationen führen kann. Ausgebildete Pflegefachkräfte übernehmen deshalb hier den fachgerechten Wechsel und schulen Betroffene und Angehörige auf Anfrage, damit die Versorgung mit der Zeit auch selbstständig und regelmäßig gelingen kann.

Viele Betroffene übernehmen die Versorgung nach einer gewissen Einarbeitungszeit selbst, andere entscheiden sich dauerhaft für Unterstützung, etwa weil die Feinmotorik eingeschränkt ist oder die Handhabung allein zu unsicher bleibt. Beides ist normal, es gibt keine richtige oder falsche Entscheidung, nur die, die im Alltag am besten funktioniert.

simCura übernimmt die Versorgung eines künstlichen Darmausgangs zu Hause und begleitet Betroffene dabei, im Alltag sicher und selbstständig damit umzugehen.

Häufige Fragen zum künstlichen Darmausgang

Ein künstlicher Darmausgang, medizinisch Stoma genannt, ist eine operativ geschaffene Öffnung, über die Stuhl oder Urin abgeleitet wird, meist nach einer Operation bei Darmkrebs oder chronischen Darmerkrankungen. Die häufigste Form für die Harnableitung ist das Urostoma.

Das hängt vom System ab. Geschlossene Beutel werden meist ein- bis zweimal täglich gewechselt, Ausstreifbeutel können mehrmals täglich entleert und seltener komplett gewechselt werden.

Sehr häufig, laut Fachliteratur entwickeln 40 bis 80 Prozent aller Stomaträger innerhalb von fünf Jahren eine solche Hernie.

Ja, in Rücksprache mit Arzt oder Stomaberatung. Schwimmen, Spazierengehen und Radfahren gelten als unproblematisch, von Kontaktsportarten wird eher abgeraten.

Ja, simCura übernimmt die fachgerechte Versorgung zu Hause. Mehr zu weiteren Pflegeleistungen in Pflegeleistungen im Detail.

Fazit zum künstlichen Darmausgang

Ein künstlicher Darmausgang verändert vieles, aber er muss nicht das Ende eines normalen Alltags bedeuten. Mit fachgerechter Versorgung und der richtigen Unterstützung lässt sich vieles wieder so leben wie vorher, oft sogar mit einer neuen Wertschätzung für das, was wieder möglich ist.

Quellen und Stand

Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde e.V. (FgSKW): Leitlinie zur Stomatherapie, Stand 2011
Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde e.V. (FgSKW): Facharbeit zur parastomalen Hernienprävention
Springer Medizin, eMedpedia: Parastomale Hernien, Lehrbuch Viszeral- und Allgemeinchirurgie
Springer Medizin: Peristomale Dermatitiden

Stand dieses Artikels: [DATUM] · Nächste Prüfung: [DATUM, spätestens Anfang 2028]

Askin N.(Pflegehilfs- und Betreuungskraft)
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