Urostoma und Ileum-Conduit: Leben mit Harnableitung

Was eine künstliche Harnableitung bedeutet, und wie der Alltag damit gut gelingen kann.

Askin N.(Pflegehilfs- und Betreuungskraft)
Askin N.

Fachliche Prüfung · Pflegehilfs- und Betreuungskraft

Was bedeutet ein Urostoma, und wie entsteht es?

Ein Urostoma ist eine künstlich angelegte Öffnung, über die Urin abgeleitet wird, meist nach Entfernung der Harnblase, wie etwa bei fortgeschrittenem Blasenkrebs. Die häufigste Form ist dabei das Ileum-Conduit, bei dem ein kurzes Stück Dünndarm die Harnleiter mit der Bauchdecke verbindet.

Der Gedanke daran macht vielen zunächst Angst, weil sich vieles auf einmal verändert. Und die Sorgen ähneln denen bei einem künstlichen Darmausgang: Was, wenn der Beutel undicht wird? Kann ich trotzdem verreisen, arbeiten, ein normales Leben führen?

Die gute Nachricht: Mit der richtigen Versorgung lässt sich der Alltag gut bewältigen, viele Betroffene finden nach einer Eingewöhnungsphase zu einem Leben zurück, das sich kaum noch anders anfühlt als vorher. Eine erfahrene Pflegekraft wie bei simCura kennt genau diese Unsicherheiten und hilft dabei, schnell wieder an Sicherheit zu gewinnen.

Das Wichtigste in Kürze

Urostoma auf einen Blick

Was ist ein Ileum-Conduit, und wie funktioniert es?

Bei einem Ileum-Conduit wird ein kurzes Stück Dünndarm herausgetrennt und als Verbindungsstück zwischen den Harnleitern und der Bauchdecke wiedereingesetzt. Der Urin fließt dann kontinuierlich durch dieses kurze Stück Darm nach außen und wird dann in einem außen getragenen Beutel aufgefangen.

Eine seltene Alternative ist die Harnleiter-Hautfistel, bei der die Harnleiter ohne Zwischenstück aus Darmgewebe direkt durch die Bauchdecke geführt werden. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn eine Operation am Darm vermieden werden soll, etwa bei kurzer Lebenserwartung, mehreren Vorerkrankungen oder nach einer Bestrahlung. 

Der Nachteil: Meist wird dauerhaft eine dünne Harnleiterschiene benötigt, die regelmäßig, etwa alle sechs bis acht Wochen, vom Urologen gewechselt werden muss.

Welche Form gewählt wird, entscheidet der behandelnde Arzt individuell nach der jeweiligen Situation. Mehr zu den Grundlagen aller Stoma-Formen in Künstlicher Darmausgang: Leben mit Stoma.

Was gehört zur täglichen Versorgung?

Zur täglichen Versorgung gehören der Wechsel des Beutels, das regelmäßige Entleeren und die Pflege der Haut rund um das Stoma, all das ist unerlässlich. Aus hygienischen Gründen sollte der Beutel in der Regel wirklich täglich gewechselt werden, damit eine gute Hygiene gewährleistet wird. 

Man unterscheidet im Übrigen zwischen ein- und zweiteilige Versorgungssysteme: 

Bei einteiligen Systemen sind Hautschutzplatte und Beutel fest miteinander verbunden und werden zusammen immer wieder gewechselt, das ist meist einfacher in der Handhabung, beansprucht die Haut aber etwas mehr, weil sie öfter neu beklebt wird.

Bei zweiteiligen Systemen bleibt die Basisplatte länger auf der Haut, nur der Beutel wird ausgetauscht, das schont die Haut zusätzlich. Direkt nach der Operation sorgen zudem dünne Harnleiterschienen, sogenannte Splints, dafür, dass die frisch vernähten Harnleiter nicht verengen und der Urin gleichmäßig abfließt. Diese werden nach einigen Wochen wieder entfernt, bei der Harnleiter-Hautfistel bleiben sie dagegen oft dauerhaft nötig.

Bei der Urostomie-Versorgung kommt ein Detail hinzu, das bei Darmstomata keine Rolle spielt: Weil Urin dauerhaft abfließt, arbeitet man laut der Leitlinie der FgSKW mit besonders hohen Hygienestandards und teils mit sterilen Materialien beim Wechsel. Nachts wird zusätzlich häufig ein größerer Bettbeutel angeschlossen, damit der Schlaf nicht durch häufiges Entleeren unterbrochen wird.

Unser Tipp

Trinken Sie ausreichend, etwa zwei bis drei Liter täglich, wenn ärztlich nichts dagegenspricht. Das senkt nachweislich das Risiko für Harnwegsinfekte, eine der häufigsten Komplikationen beim Urostoma.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die häufigste Komplikation sind Hautirritationen rund um das Stoma, meist durch undichte Platten oder eine falsche Größenanpassung. Nach Angaben von Springer Medizin treten stomabedingte Komplikationen insgesamt bei 20 bis 70 Prozent der Betroffenen auf, wobei Hautirritationen den größten Anteil ausmachen. Die meisten dieser Probleme lassen sich durch eine Anpassung der Versorgung schnell lösen.

Die zweithäufigste Komplikation ist ein Harnwegsinfekt, erkennbar oft an Fieber. Ausreichendes Trinken und regelmäßige ärztliche Kontrollen sind die wichtigste Vorbeugung. Bei der Harnleiter-Hautfistel kann zusätzlich die Öffnung selbst mit der Zeit vernarben und sich verengen, weshalb dort die regelmäßig gewechselte Harnleiterschiene besonders wichtig ist.

Aber keine Angst, all das ist gut behandelbar, und die meisten Betroffenen lernen schnell, worauf sie im Alltag achten müssen und was gut funktioniert. Genau bei dieser fortlaufenden Beobachtung kann eine erfahrene Pflegekraft gut unterstützen, damit Veränderungen frühzeitig auffallen und angegangen werden.

Worauf sollte ich langfristig achten?

Beim Ileum-Conduit wird ein Stück Dünndarm verwendet, das eigentlich für die Aufnahme von Vitamin B12 zuständig ist. Dadurch kann es nach ein bis drei Jahren zu einem Mangel kommen, bemerkbar etwa durch Kribbeln in Händen und Füßen oder auch Konzentrationsstörungen.

Eine jährliche Blutkontrolle gehört deshalb zur Routine, bei einem Mangel lässt sich Vitamin B12 unkompliziert ausgleichen.

simCura übernimmt die Versorgung eines Urostomas zu Hause und behält dabei auch solche langfristigen Aspekte im Blick, damit nichts übersehen wird.

Häufige Fragen zum Urostoma

Urostoma ist der übergeordnete Begriff für jede künstliche Harnableitung, Ileum-Conduit ist die häufigste konkrete Form davon. Mehr zu den Grundlagen aller Stoma-Formen in Künstlicher Darmausgang: Leben mit Stoma.

Aus hygienischen Gründen in der Regel täglich, die Basisplatte bei zweiteiligen Systemen kann länger auf der Haut bleiben.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr senkt nachweislich das Risiko für Harnwegsinfekte, eine der häufigsten Komplikationen.

Ja, unter anderem wegen einer jährlichen Kontrolle des Vitamin-B12-Spiegels, weil das für die Aufnahme zuständige Darmstück beim Ileum-Conduit fehlt.

Ja, simCura übernimmt die fachgerechte Versorgung zu Hause. Mehr zu weiteren Stoma-Formen in Künstlicher Darmausgang: Leben mit Stoma.

Fazit zum Urostoma

Ein Urostoma verändert vieles, aber es muss kein Hindernis für ein erfülltes Leben sein. Mit der richtigen Versorgung, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßigen Kontrollen lässt sich der Alltag gut meistern, und das oft mit einer neuen Selbstverständlichkeit, die anfangs kaum vorstellbar schien.

Quellen und Stand

Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde e.V. (FgSKW): Leitlinie zur Stomatherapie, Stand 2011
urologielehrbuch.de: Ileum-Conduit zur Harnableitung
urologielehrbuch.de: Ureterocutaneostomie
Universitätsklinikum Heidelberg: Urostoma und Harnleiter-Haut-Ausgang
Springer Medizin: Peristomale Dermatitiden

Stand dieses Artikels: [DATUM] · Nächste Prüfung: [DATUM, spätestens Anfang 2028]

Askin N.(Pflegehilfs- und Betreuungskraft)
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